Das Anliegen

Für eine zielorientierte selbstverantwortliche therapeutische Arbeit ist es wichtig, dass der Klient mit einem spezifischen Anliegen zur Aufstellung kommt. Im Anliegen, dass der Klient selbst formuliert, ist sein Wunsch nach Veränderung, die Blockade und Lösung seines Problems enthalten. Das Anliegen ist das zentrale Ziel einer Aufstellung.

Es zeigt dem Klienten:

  • was er durch die Aufstellung erreichen möchte
  • wo er im Moment in seinem Leben steht
  • mit welchen Veränderungswünschen er momentan psychisch in Kontakt ist
  • was sich in seinem Leben ändern soll
  • den Wunsch nach Verständnis der Zusammenhänge in seinem Leben
  • warum er das Ziel bis jetzt noch nicht erreichen konnte

Das Anliegen könnte z. B. folgendes sein:

"Ich möchte Klarheit darüber haben, warum ich Angst in engen Räumen habe" oder

"Ich möchte wissen, was hinter meinen Rückenschmerzen steht!"

 

Im Anliegen zeigt sich mit Bezug auf das angestrebte Ziel, auch der Widerstreit zwischen Gesunden-, Trauma- und den Überlebens-Ich-Anteilen.

Anliegen können dadurch von unterschiedlicher Qualität sein. Wenn sie aus dem Überlebensanteilen heraus entstehen und formuliert werden, deutet das darauf hin, dass hier kein Kontakt zu den Gefühlen des Klienten besteht. Das Anliegen und die darin enthaltene Zielvorgabe werden vom Therapeuten ernst genommen und er unterlässt es, den Klienten zu einer Änderung des Anliegens zu bewegen. Im Anliegen zeigt sich der individuelle Lebenswille des Klienten und der wird vom Therapeuten geachtet. Während der gesamten Aufstellungsbegleitung wird das Anliegen vom Therapeuten immer im Blick behalten und ist für ihn bindend für den Aufstellungsprozess. Das Anliegen ist ein großer Schutz vor einem zuviel an Traumagefühlen und verhindert so eine Retraumatisierung. Aus diesem Grunde ist es auch für Therapeuten wichtig, sich an den Auftrag bzw. das Anliegen des Klienten zu halten und die Aufstellung nicht darüber hinaus zu führen.

Der Klient gibt mit der Formulierung seines Anliegens die Grenzen des gesamten Aufstellungsthemas vor. Über das Anliegen entscheidet der Klient, was er in die Aufstellung einbringt und was er für sich klären möchte. Es zeigt dem Therapeuten wie weit der Klient bereit ist, sich den inneren psychischen Dynamiken zu stellen und sich für innere und äußere Veränderungen zu öffnen.

Je deutlicher in dem Anliegen der Wunsch nach Veränderung der eigenen Person und des eigenen Lebens ist, desto größer ist die Bereitschaft, mit den abgespaltenen Gefühlen in Kontakt zu kommen. Die Aufstellung verläuft umso zuverlässiger in Richtung auf das gewünschte Ziel. Je mehr der Klient sein Anliegen so formuliert, dass der Kontakt mit dem gesunden Gefühlsbereich vorhanden ist, desto eindeutiger enthält es den Wunsch auf Veränderung und desto klarer kann der Stellvertreter für das Anliegen, den Auftrag innerlich erfassen. Der Stellvertreter für das Anliegen kann den Klienten dann während des Prozesses der Aufstellung hilfreich begleiten und ihm zur Seite stehen. Das Anliegen ist während der Aufstellung der Prozessbegleiter für den Klienten. Mit ihm kann er seine sich zeigenden Gefühle austauschen und sich an ihm orientieren.