Aufstellen des Anliegens in der Gruppe

Das Aufstellen des Anliegens findet in einer kleineren oder größeren Gruppe statt. Alle sitzen im Kreis und der Therapeut hat neben sich einen Platz für den Klienten freigehalten. Einer der Anwesenden beginnt mit seiner Aufstellung, indem er sich auf diesen freien Platz setzt. Nun hat er für sich den Raum, seine aktuelle Situation dem Therapeuten und der Gruppe zu schildern und ein passendes Anliegen für sich zu suchen und zu formulieren.

Durch Nachfragen verschafft sich der Therapeut noch weitere notwendige Informationen über die Kindheit und Vergangenheit des Klienten. Wichtig sind vor allem die traumatischen Ereignisse, die in der Familie bekannt sind. Dann wählt sich der Klient intuitiv einen für ihn geeigneten Stellvertreter für sein Anliegen aus der Gruppe aus, nimmt ihn an die Hände und weist ihm einen Platz in der Mitte des Kreises zu. Der Klient selber bleibt in der Aufstellung stehen, formuliert sein Anliegen dem Stellvertreter noch einmal und dann beginnt zwischen den beiden der seelische Austauschprozess. Der Stellvertreter beginnt, das, was er innerlich zu diesem Thema fühlt und denkt, in Form von Worten, Bewegungen und Gesten dem Klienten auszudrücken. So entsteht ein Dialog zwischen den beiden und es zeigt dem Klienten was in ihm innerpsychisch momentan vorgeht und wo er innerlich gerade in Bezug zu seinem Thema steht.

Der Stellvertreter für das Anliegen, der in seinen Aussagen einen wunden Punkt berührt, kann beim Klienten oft starke emotionale Reaktionen hervorrufen, von denen er oft selber sehr überrascht ist.

Die Dynamik die zwischen Klient und seinem Anliegen besteht wird vom Therapeuten genauestens beobachtet. Um das Geschehen richtig und prozessorientiert zu interpretieren ist eine gute Kenntnis über die Bindungsdynamiken, Trauma und psychischen Spaltungen notwendig. Um diesen intensiven Prozess nicht unnötig zu stören, wird von Seiten der Aufstellungsleitung das Eingreifen auf ein Minimum reduziert. Sie beschränkt sich hauptsächlich darauf, dem Klienten Angebote zu machen weitere Personen und Persönlichkeitsanteile mit in die Aufstellung zu holen. Mit dem Dazunehmen neuer Stellvertreter verändert sich auch die Dynamik der Aufstellung und die Reaktionen der Persönlichkeitsanteile.

Stellvertreter können oft sehr schnell und klar die Innenperspektive der Person oder des Anteiles einnehmen, für den sie gerade ausgewählt wurden. Sie spüren in sich die fremden Gefühle, Gedanken und Bilder, verlieren aber nie die Kontrolle über ihre eigene Persönlichkeit und können relativ schnell wieder aus der Stellvertreterrolle aussteigen.

Die Stellvertreter können nur das spüren und wahrnehmen, was der Klient unbewusst auch bereit ist frei zu geben. Ist der Klient emotional noch nicht in der Lage, bestimmte traumatisierte Anteile zu konfrontieren, dann können die Stellvertreter ihm diesen innerpsychischen Zustand ihm auch nicht spiegeln. Damit der Klient aus seinen inneren Blockaden heraus kommt, ist es wichtig, abgespaltene Persönlichkeitsanteile zu integrieren und sich aus symbiotischen Verstrickungen zu lösen.

Das ist oft nicht so leicht. Sich für diese schon lange bestehenden traumatischen Gefühle wie Trauer, Hilflosigkeit, Wut, Angst, Schmerz und Ohnmacht wieder zu öffnen und sie auch nachhaltig zu integrieren, braucht es meist mehrere Aufstellungen.

Durch das Aufstellen des Anliegens, bestimmt jeder Klient selbst, in welchem Tempo er seine Schritte, seine inneren Prozesse und seine psychischen Veränderungen gehen will. Am Ende einer Aufstellung werden alle Stellvertreter vom Klienten wieder aus ihren Rollen entlassen.